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Arthrose der Fingergelenke

Die Abnutzung von Knorpel in Gelenken wird als Arthrose bezeichnet.

Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Was sind Arthrosen der Fingermittel und -endgelenke?

Die Arthrosen der Fingermittel­ und -end­gelenke sind die häufigste Form von Arthrose am Bewegungsapparat überhaupt. Sie können entweder isoliert auftreten oder aber im Rahmen einer sogenannten Polyarthrose, das heisst einer Arthrose, die mehrere Gelenke am Körper betrifft. Am Grundgelenk sind die Arthrosen eher selten. Meistens liegt bei einer solchen Gelenkzerstörung eine entzündliche Ursa­che vor (z.B. eine rheumatoide Arthritis). Eine Arthrose ist eine Abnutzung und führt letztlich zu einer Zerstörung des Gelenk­ knorpels, was mit Schwellungen, Bewegungseinschränkung und Schmerzen einhergeht.

Wie entsteht eine Arthrose der Fingergelenke?

Die Ursache für die Abnutzung der Finger­mittel­ und ­-endgelenke bleibt unklar. Man weiss um einen gewissen Vererbungs­prozess, der für eine familiäre Häufung von Arthrosen an den Händen verantwort­lich sein kann. Frauen sind rund zehnmal häufiger von dieser Arthroseform betroffen als Männer. Seltener können auch nach Unfällen solche Zerstörungen an diesen Gelenken auftreten.

Was sind die typischen Symptome der Finger-Arthrosen?

Bei der Arthrose kommt es zur Schwellung der betroffenen Gelenke, häufig auch zu Schmerzen und zu einer Bewegungs­ einschränkung. Im Anfangsstadium können diese Symptome von selber wieder bes­ sern, sie treten aber in der Regel wieder auf, dann meist auch in kürzeren Intervallen. Im fortgeschrittenen Stadium kann es zu einer erheblichen Bewegungseinschrän­ kung mit damit verbundenen Schmerzen kommen. Selten gibt es Formen dieser Arthrose, bei der die Finger spontan ein­ steifen und so schmerzfrei werden. Wie stellt man die Diagnose? Es handelt sich häufig um eine Blickdiag­ nose. Die Mittel­ und Endgelenke sind geschwollen und spindelförmig aufgetrie­ ben, die Endgelenke weisen manchmal eine typische Knotenbildung auf. Die Diagnose kann dann mit einer gezielten Röntgenaufnahme bestätigt werden. Zusätzliche Untersuchungen sind in der Regel nicht notwendig.

Wie behandelt man die Arthrosen der Fingergelenke?

Im Anfangsstadium, wo vor allem die entzündliche Veränderung im Vordergrund steht, können lokal abschwellende Medi­kamente oder lokal wirkende Kortison­ Infiltrationen für eine bestimmte Zeit Beruhigung bringen. Leider können diese Arthroseformen nicht geheilt werden. Ist ein Gelenkknorpel einmal abgenutzt, erholt er sich nicht mehr. Bei fortgeschrittener Gelenkzerstörung, Bewegungseinschrän kung und Schmerzen kann eine Operation eine sehr gute Alternative darstellen.

Welche Operationen werden an den Fingergelenken durchgeführt und wie sieht die Nachbehandlung aus?

Hier muss die Behandlung der Fingergrund­ und Fingermittelgelenke von der Behandlung der Endgelenke unterschie­den werden. Die Grund­ und Mittelfinger gelenke stellen wichtige Elemente in der Gesamtbeweglichkeit eines Fingers dar. Wenn immer möglich bevorzugen wir deshalb einen bewegungserhaltenden Eingriff. Hier haben sich Silikon­-Kunst­-gelenke – sie bewähren sich seit über 40 Jahren bestens – als Operationsverfahren der Wahl herausgestellt. Bei diesem Eingriff wird das erkrankte Gelenk durch ein Kunstgelenk ersetzt. So bleibt eine gewisse Beweglichkeit erhalten, was zusammen mit der Schmerzbefreiung eine erhebliche Verbesserung der Lebensqualität für den Patienten bedeutet. In eher seltenen Ausnahmen (z.B. im Rahmen einer entzündlichen Zerstörung des Gelenks) kann eine Gelenkversteifung in einer funktionell günstigen Position diskutiert werden. Neuentwicklungen beim Oberflächenersatz (ähnlich einem Kunstgelenk für ein Knie) zeigen ebenfalls vielversprechende Resultate mit einer gegenüber Silikon verbesserten Stabilität. Deren Einsatz ist jedoch nur bei guter Knochenqualität möglich und muss im Einzelfall besprochen werden.

An den Fingerendgelenken präsentiert sich die Situation etwas anders: Frühformen der Arthrose sind hier nicht selten und können mit lokalisierten Schwellungen und Zystenbildungen über dem Endgelenk verbunden sein. Bei grossen Zysten und Schmerzfreiheit reicht gelegentlich schon die Entfernung der Zyste allein. Meist muss hier ein kleiner Haut­-Schwenklappen zur Deckung des Hautdefekts eingenäht werden. Da die Arthrose dadurch jedoch nicht ausgeschaltet oder behandelt wird, können solche Zysten theoretisch auch wieder auftreten.

Bei einer deutlich sichtbaren Gelenkzerstö­rung empfiehlt sich jedoch ein alleiniger Weichteileingriff nicht mehr. Da die Endge­lenke nicht unbedingt auf Beweglichkeit angewiesen sind und das Gelenk sehr klein ist, bevorzugen wir hier meist die Versteifung des Endgelenks in einer mög­lichst gestreckten Position. Damit wird das schmerzhaft erkrankte Endgelenk ausgeschaltet. Weil das Endgelenk nicht so stark auf Beweglichkeit angewiesen ist und der Patient häufig bereits vor der Operation eine massiv eingeschränkte Beweglichkeit aufweist, stellt die Versteifung des Endge­lenks kein grösseres Handicap dar. In bestimmten Situationen können jedoch auch an den Endgelenken Silikon-­Kunstgelenke zum Einsatz kommen.

Im Anschluss an einen Kunstgelenkersatz an einem Fingergelenk wird dieses Gelenk sehr früh durch gezielte Handtherapie (Ergotherapie) mobilisiert. Die Intensität der selbstständigen Therapie und der in­tensive selbstständige Einsatz des Fingers bestimmen in der Regel das Ausmass der langfristig erzielten Beweglichkeit. Wird eine Versteifung eines Gelenks durch­ geführt, muss das Gelenk für ca. sechs bis acht Wochen etwas geschützt und ruhig­ gestellt werden, bis die zu versteifenden Knochenanteile vollständig verheilt sind.

Wann sollten die Arthrosen der Fingermittel- und -endgelenke operiert werden?

Der Zeitpunkt einer operativen Intervention wird in der Regel durch die Beschwerden des Patienten bestimmt. In diesem Sinne gibt es keinen idealen Operationszeitpunkt.

Wie sind die Erfolgschancen dieser Operationen?

Der Gelenkersatz am Fingermittelgelenk führt zu einer bedeutenden Milderung der Beschwerden, wenn nicht gar zur Beschwerdefreiheit. Etwas unsicherer ist das Resultat bezüglich Beweglichkeit: Eine normale Fingergelenkbeweglichkeit kann nicht erwartet werden. Unsere Nach­ kontrollen haben gezeigt, dass ein Kunst­ gelenk im Durchschnitt zwischen 50 und 60 Grad beweglich ist.

Dieses Resultat kann relativ stark streuen und ist auch von den Grundvorausset­zungen wie zum Beispiel dem intakten Gleiten der Sehnen abhängig. Die meisten Patienten empfinden jedoch auch eine eingeschränkte Beweglichkeit funktionell deutlich günstiger als die Alternative einer Gelenkversteifung am Fingermittelgelenk.

Die Versteifung der Fingerendgelenke wird funktionell kaum negativ wahrgenommen. Hingegen ist die Schmerzfreiheit sowie das ästhetisch deutlich schöner aussehende Endgelenk häufig eine mehr als gute Entschädigung für die Aufgabe der Rest­ beweglichkeit.

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Autoren: Team der Handchirurgie der Schulthess Klinik
Grafiken/Bilder: Bilddokumentation der Schulthess Klinik

Oberflächenersatz mit minimaler Knochenresektion bei zerstörtem Mittelgelenk.

Kunstgelenke aus Silikon am Grundgelenk (oben) und Mittelgelenk (unten)

Behandlungsmöglichkeiten bei einer Arthrose des Fingerendgelenks. Versteifung des Gelenks mit einer Minischraube (oben) oder Gelenkersatz mit einem Silikon-Kunstgelenk (unten).

Arthrose des Fingerendgelenks mit vermehrter Flüssigkeitsbildung und Entstehung einer Zyst.

Röntgenbild bei Arthrosen der  Endgelenke

Befund nach operativer Versteifung der Endgelenke an mehreren Fingern.

Röntgenbild bei Arthrose des Zeige- und Ringfingermittelgelenks.

Befund nach Einsetzen der Kunstgelenke aus Silikon.

Silikon-Kunstgelenk am Zeigefingermittelgelenk.
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