Loading
X

Polyarthritis

Die Abnutzung von Knorpel in Gelenken wird als Arthrose bezeichnet.

Chirurgische Massnahmen zur Behandlung von Schmerzen oder zur Verbesserung der Funktion der Hand bei Polyarthritis

Was ist Polyarthritis?
Bei der Polyarthritis, auch rheumatoide Arthritis genannt, kommt es zu einem entzündlichen Befall verschiedenster Gelenke des Körpers. Diese chronische Entzündung geht mit einer vermehrten Produktion von Gelenkflüssigkeit und einer Verdickung der Gelenkschleimhäute (sog. Synovialitis) einher. Dies führt zu einer Ausweitung der Gelenkkapsel und der Bänder, die dann ihre Funktion als Stabilisatoren der Gelenke nicht mehr korrekt erfüllen können. Daneben wird der Knorpel, die Gleitschicht eines Gelenks, durch die Entzündung angegriffen und zerstört. Ein einmal geschädigter Gelenkknorpel kann sich nicht mehr regenerieren.

Wie häufig sind die Hände bei der Polyarthritis betroffen, wie sind die Verlaufsformen?
Die Hände sind ähnlich wie die Füsse bei über 90 Prozent der Polyarthritis-Patienten im Verlauf der Erkrankung betroffen. Die Verlaufsformen und Manifestationen sind vielgestaltig und individuell. Meist bestehen sehr symmetrische Veränderungen an beiden Händen.

Abbildung 1:
Typische Deformität bei der Polyarthritis vor und nach operativer Korrektur

 

Der klassische Verlauf der Polyarthritis beginnt mit Schmerzen und Schwellung über dem Handgelenk. Meist findet sich eine Verdickung des Gleitgewebes der Strecksehnen sowie eine schmerzhafte Verdickung auf der Kleinfingerseite des Handgelenkes bei den Frühformen. Hier handelt es sich um entzündliche Veränderungen des Sehnengleitgewebes und einer Entzündung im Handgelenk, vor allem zur Seite des Kleinfingers. Im Verlauf der Erkrankung kann es dann nebst den Schmerzen und Schwellungen zu einer zunehmenden Funktionseinschränkung des Handgelenks und später meist auch der Finger kommen. Dies äussert sich in einer schmerzhaften Beweglichkeit oder einer Tendenz zu Gelenkeinsteifungen.

Am Handgelenk selber unterscheiden wir drei grundsätzlich verschiedene Verlaufsformen:

  1. Die Verlaufsform, die zu Versteifungen tendiert:
    Bei diesen Patienten findet sich häufig eine Spontaneinsteifung der betroffenen Gelenke sowohl am Handgelenk als auch an den Fingergelenken. Ist eine Einsteifung einmal vollständig, nehmen häufig auch die Entzündungsaktivität und die damit verbundenen Schmerzen ab.
  2. Verlaufsformen, die eher einer Gelenkabnützung denn einer Gelenkentzündung entsprechen:
    Bei dieser Verlaufsform bleibt die Knochensubstanz häufig noch recht gut erhalten. Durch die Entzündung wird vor allem der Knorpel abgebaut. Dabei entstehen schmerzhafte Entzündungen bei in der Regel noch relativ gut erhaltener Gelenkbeweglichkeit. Die Schwellung und Entzündung führt zur Ausweitung des Kapsel-Band-Apparates und destabilisiert dadurch die betroffenen Gelenke. Es kann deshalb zu Fehlstellungen und zu bestimmten Deformitätsmustern kommen.
  3. Aggressive Verlaufsform:
    Die dritte Verlaufsform ist die aggressivste. Bei dieser Verlaufsform kommt es zu einer rasanten Zerstörung der betroffenen Gelenke, häufig wird auch ein Teil des Skelettes in einer Weise mitbetroffen, dass Knochensubstanz abgebaut wird. Bei dieser Verlaufsform werden die Gelenke relativ rasch destabilisiert, und die Funktionseinschränkung ist meist sehr ausgeprägt.

 

 

Abbildung 2:
Fortgeschrittene Erkrankung mit Zerreissen der Strecksehnen zum Klein- und Ringfinger

 

Abbildung 3:
Patientin mit schwerer Deformität beider Handgelenke, aber noch ansprechender Funktion der Finger

 

 

Wie ist die Behandlungsphilosophie an den Händen bei der chronischen Polyarthritis?
Bei jeder chronischen Arthritisform steht zuoberst in der Behandlung die korrekte und individuell angepasste Basistherapie. Hier kommen verschiedenste Substanzen zur Anwendung. Ziel dieser Substanzen ist es, den Entzündungsprozess zu dämpfen und den damit verbundenen Zerstörungen Einhalt zu gebieten. Ergänzend dazu können lokale chirurgische Massnahmen in vielen Situationen entweder späteren Schaden verhindern, minimieren oder die Schmerzen lindern sowie Funktionalität bestimmter Abschnitte der Hand verbessern. Eine effiziente und chirurgisch wichtige Massnahme stellt die so genannte Synovektomie dar. Bei diesem Eingriff wird chirurgisch das Entzündungsgewebe reduziert. Dadurch werden die Schwellungen vermindert, die Aggressivität der Entzündung kann herabgesetzt werden, und die Basismedikamente können gezielter wirken. Lokale Synovektomien können insbesondere Spätschäden in Form von Sehnenrupturen verhindern.

 

Abbildung 4:
Intraoperativer Befund mit gerissenen Strecksehnen, die rekonstruiert werden müssen

 

Ein zweiter wichtiger Eckpfeiler stellt die Behandlung der betroffenen Gelenke dar. Hier muss je nach Verlaufsform entschieden werden, welche operativen Massnahmen sinnvoll sind. Bei Verlaufsformen, die zu einer Destabilisierung der Gelenke neigen, können gezielt durchgeführte Ganz- oder Teilversteifungen von betroffenen Gelenken zu einer erheblichen Verbesserung der Schmerzsituation und der Funktionalität der Hand beitragen. So kann eine Teilversteifung des Handgelenkes ein weiteres Abrutschen der Gelenke verhindern und gleichwohl eine vernünftige Restbeweglichkeit zurücklassen. Gezielte Versteifungen am Daumen sowie an Zeige- oder Mittelfinger können einen vorher schmerzhaften oder nicht mehr möglichen Schlüsselgriff bessern und zurückgeben. Bei geeigneten Verlaufsformen kommen auch Kunstgelenkoperationen in Frage. Hier werden die betroffenen zerstörten Gelenke durch entsprechende Kunstgelenke ersetzt.

In vielen Fällen kommt dabei an den Fingern das Silikon-Kunstgelenk zum Einsatz. Diese Silikongelenke haben sich über die letzten 40 Jahre gerade bei der Polyarthritis sehr bewährt und haben vielen Händen eine gute Funktionalität zurückgegeben und die Beschwerden gemildert. Wichtig ist es dabei, dass der Behandlungsplan individuell auf den Patienten abgestimmt wird. Man darf nicht vergessen, dass die Polyarthritis sehr viele Gelenke gleichzeitig betreffen kann. Daher ist es enorm wichtig, einen Behandlungsplan mit entsprechenden Prioritäten festzulegen. Prinzipiell ist es auch möglich, an mehreren Gelenken gleichzeitig operativ vorzugehen. Ferner ist es denkbar, dass beispielsweise Hände und Füsse zusammen operiert werden. Darum ist es wichtig, mit Ihrem Operateur einen längerfristigen Behandlungsplan festzulegen.

 

​Abbildung 5:
Operative Versorgung mit einer Silikonprothese

 

Abbildung 6:
Silikonprothesen, wie sie in den Fingergelenken eingesetzt werden

 

Wie gross sind die Erfolgschancen von Operationen bei der Polyarthritis?
Die Erfolgschancen einer Operation hängen von sehr vielen verschiedenen Faktoren ab. Das Hauptziel der meisten chirurgischen Eingriffe besteht darin, den Schmerz zu reduzieren und die Funktionalität zu verbessern. Dies gilt häufig auch für die Ästhetik an der Hand, die verbessert werden kann. Operationen können die Polyarthritis nicht heilen, es ist aber möglich, durch diese Eingriffe eine Situation zu verbessern, so dass der Patient seine persönliche Unabhängigkeit bewahren kann. In allen verschiedenen Phasen der Behandlung der Polyarthritis ist es gerade an der Hand enorm wichtig, mit geschulten Handtherapeuten zusammenzuarbeiten. Entsprechend angepasste Schienen können sowohl vor wie nach den Operationen einen entscheidenden Einfluss auf den Heilungsverlauf haben.

 

Abbildung 7:
Nachbehandlungsschienen nach Fingerprothesen an den Fingergrundgelenken

 

Mail ans Sekretariat Handchirurgie
senden
Kontakt Handchirurgie
Klinik Impuls
Handchirurgie
Bahnhofstrasse 137
8620 Wetzikon
Sekretariat
Fax
044 934 60 76
Patient anmelden anmelden

Dürfen wir Sie persönlich beraten?

Kontaktieren Sie uns direkt per Telefon oder Email. Gerne vereinbaren wir einen Termin für Sie bei unseren Spezialisten.

Kontakt