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Kalkschulter

(Tendinosis calcarea der Schulter)

Das Schultergelenk stellt eine Besonderheit unter den Gelenken des menschlichen Körpers dar. Im Zusammenspiel mit dem Schulterblatt erlaubt es Bewegungsumfänge in alle Körperrichtungen von teilweise 180° und mehr. Diese Beweglichkeit wird erkauft durch eine relativ geringe knöcherne Formschlüssigkeit, die durch einen Knorpelring rund um die Pfanne, die Gelenkkapsel und eine manschettenartige Überdeckung des Oberarmkopfes in seiner Gelenkpfanne mit den Sehnen des Schultergelenks (Rotatorenmanschette) kompensiert wird. Unter Belastung müssen die Sehnen grossen Hebelkräften standhalten. Wie alle Sehnen des menschlichen Körpers verlieren die Sehnen mit dem Älterwerden einen Teil Ihrer Elastizität, werden spröde, sind teilweise schlechter durchblutet und beginnen durch die Belastungen Schaden zu nehmen. Zuerst kommt es zur Entstehung kleinster Mikrorisse im Sehnengewebe, welche nicht richtig ausheilen können. Bei manchen Personen kommt es zur Ausbildung von Degenerationsherden, aus denen später echte Sehnenrisse resultieren können, bei anderen kommt es zu einer Fehlsteuerung der Sehnenzellen (Tenozyten), welche sich in Knorpel- und Knochenzellen umwandeln und beginnen Kalksalze in neu geschaffenes Sehnengewebe einzulagern. Die Ursachen hierfür sind noch nicht vollständig wissenschaftlich erforscht. Neuere Studien zeigen eine genetische Prädisposition.

 

Klinik

Betroffen sind mehrheitlich Patienten zwischen dem 30-60 Lebensjahr. Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer. Unfälle sind nur äusserst selten die Ursache, zumeist entsteht die Kalkschulter ohne, dass ein Unfall dafür verantwortlich ist. 50% der Menschen mit Kalkeinlagerungen in den Schultersehnen bleiben asymptomatisch. Bei den anderen kommt es irgendwann zu einem Aufbrechen der Kalkherde, was eine starke Entzündung in der Schulter auslöst und zum Teil heftigste Schmerzen (vor allem Ruheschmerzen) auslösen kann. In solchen Entzündungsschüben, die häufig wiederholt vorkommen können nach Wochen und Monaten, leiden die betroffenen Patienten sehr und Schmerzmedikamente können nicht immer ausreichend Linderung bewirken. Prinzipiell werden derartige Entzündungsschübe biologisch als positiv bewertet - der Körper beginnt selber den Kalk in der Sehne aufzulösen. Die Schmerzen sind leider oft kaum zu ertragen.

 

Diagnose

Da die klassische Kalkschulter nur äusserst selten mit Sehnenrissen einhergeht genügt zur Diagnosesicherung ein Röntgenbild, auf welchem die Kalkherde (oft nur wenige Millimeter gross) zu erkennen sind. Eine sehr gute Untersuchungsmethode ist der Ultraschall, bei welchem die Kalkherde sehr gut diagnostiziert und zusätzlich Schleimbeutelentzündungen, Gelenkergüsse und (selten begleitende) Sehnenläsionen erfasst werden können.

 

Konservative Therapie

Im akuten Schub können lokal schmerz- und entzündungshemmende Salben aufgetragen werden, die Schulter gekühlt werden und Schmerzmedikamente (am besten sogenannte NSAR) eingenommen werden. Bei unzureichender Schmerzlinderung eine Infiltration mit verdünntem Kortison unter das Schulterdach erfolgen. Von mehrfachen Infiltrationen innerhalb weniger Wochen ist dringend abzuraten, da die Sehnen durch wiederholte Cortison Anwendungen geschädigt werden können. Alternativ können auch Cortison Tabletten verschrieben werden.

Physiotherapeutische Massnahmen können helfen. Teilweise können die Kalkherde durch die Anwendung der extrakorporalen Stosswellentherapie im Sehnengewebe aufgelockert werden und hierdurch vom Körper rascher abgebaut werden. Die Therapie funktioniert bedauerlicherweise nicht so zuverlässig die die Zertrümmerung von Nierensteinen mit Stosswellen in der Urologie.

Dennoch verschwinden bei der Mehrheit der Patienten die Kalkherde wieder von ganz alleine, genauso wie sie gekommen sind. Bedauerlicherweise nicht bei jedem und teilweise können sich Kalkschulter-Probleme über Jahre hinziehen und auch beide Schultern (häufig hintereinander) betreffen.

 

Needling der Kalkherde

Eine elegante Therapiealternative kann das röntgen- oder ultraschallgesteuerte Nadeln der Kalkherde unter lokaler Betäubung darstellen. Auch hierdurch werden die Kalkherde gelockert und können besser resorbiert werden. Gelegentlich gelingt es sogar verflüssigte Kalkanteile abzusaugen. In diesen, leider eher seltenen Fällen, kann das Needling beinahe Wunder bewirken.

 

Operative Therapie

Bei der Kalkschulter gilt die Regel: Der Patient sagt, wenn er konservativ nicht mehr weiter machen will. In diesen Fällen steht eine sehr erfolgreiche minimalinvasive arthroskopische Operationsmethode zur Verfügung. Mittels Ultraschall werden die Kalkherde vor der Operation genau lokalisiert und nach einer Entfernung des zumeist entzündlich verdickten Schleimbeutels, kann der Operateur bei der Gelenkspiegelung (Arthroskopie) die Kalkareale durch die Sehne durchschimmern sehen. An diesen Stellen wird die Sehne unter Sicht in Faserrichtung eingeritzt und die Kalkherde können aus der Sehne entfernt werden. Studien konnten zeigen, dass eine Naht der eingeritzten Sehne nicht nötig ist. Viele Patienten berichten sofort nach dem Aufwachen, trotz operationsbedingter Wundschmerzen, zu verspüren wie der Druck in der Sehne verschwunden ist.

Die Schulter kann nach der Operation relativ rasch mobilisiert werden und muss nur kurz ruhig gestellt werden. Es ist sogar gewünscht, dass der Patient sich möglichst rasch getraut Schulter und Arm wieder zu bewegen, denn die wichtigste Komplikation nach der arthroskopischen Kalkherd Entfernung ist eine vorübergehende Schultersteife, welche in bis zu 10% der Fälle auftritt. Darin liegt auch der Grund, warum diese sonst sehr hilfreiche Operation nicht gleich zu Beginn der Beschwerden eingesetzt wird.

 

Die Arbeitsunfähigkeit nach arthroskopischer Kalkherd Entfernung beträgt gewöhnlich bei Bürotätigkeiten wenige Wochen, bei körperlich belasteten Berufen bis zu 3 Monaten, da es doch eine gewisse Zeit braucht, bis die Schultermuskulatur wieder normal funktioniert und schmerzhafte Triggerpunkte (können zu Nackenbeschwerden und Kopfweh führen) verschwunden sind. Daher erhalten die meisten Patienten postoperativ auch Physiotherapie.

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